Back-Ups

Im Zusammenhang mit windelfrei fällt oft der Begriff „Back-Up“. Daher hier mal eine kleine Begriffskunde:

  • Als „Back-Up“ wird bezeichnet, was das (windelfrei-)Baby zum Auffangen der Ausscheidungen um den Genitalbereich an hat.
  • Ein „Back-up“ ist nicht gedacht als tragbare Toilette, sondern als Sicherheit für die Eltern (deshalb auch „Back-Up“), falls sie ein Signal verpassen oder ihr Baby nicht abhalten können (z.B. bei Autofahrten).

Mögliche „Back-Ups“ sind Mullwindeln, Stoffwindeln, Windelgürtel mit Einlagen, Wollaspa oder andere Hosen mit Einlagen (Mullwindel, kleines Handtuch, Stoffwaschlappen oder spezielle Windeleinlagen), aber auch Wegwerfwindeln. Alle bieten für eine gewisse Zeit ausreichend Schutz. Letztere jedoch eignen sich nicht so gut für das Körpergefühl des Kindes, da sie dem Baby kein „Nässegefühl“ geben und den Zusammenhang zwischen „Pipi machen“ und „nass im Schritt sein“ nicht vermitteln und somit das Baby diesen wichtigen Zusammenhang nicht lernt.

Früher Start

Am ersten Abend nach der Geburt im Krankenhaus war die Kleine auf einmal ziemlich unruhig. Sie wollte nicht gestillt werden, konnte aber auch nicht einschlafen. Sie ließ sich durch nichts beruhigen, auch tragen half nicht. Daher nahm ich sie und hielt sie zum ersten Mal ab. Zack! Mekonium ab ins Töpfchen (das ich vorsichtshalber in die Klinik mitgenommen hatte). Okay, dann haben wir nun also schon an ihrem ersten Lebenstag begonnen mit der Ausscheidungskommunikation 🙂 Ich freu mich drauf!

Was ist drin in Wegwerfwindeln?

Der Begriff Wegwerfwindel (WWW) an sich gefällt mir nicht. Das kleine und große Geschäft von Babys wird darin gesammelt und dann weggeworfen. Aus den Augen, aus dem Sinn… Dass WWWs Einmalwindeln sind und riesige Müllberge produzieren ist allerdings ein ganz anderes Thema. Heute möchte ich Euch mal auf die Inhaltsstoffe dieser nur einmal verwendbaren Plastikwindeln aufmerksam machen. Dazu hat sich netterweise bereits jemand anders die Arbeit gemacht, weswegen ich hier nur den auf den Artikel verlinke.

Weitere Infos zu Windeln, Kosten und Umwelt findet Ihr auch in meinem Windelfrei-Blog. Gute allgemeine Informationen zu Windeln gibt es auch bei Wikipedia. Unter „Alternativen“ wird dort auch windelfrei erwähnt und es gibt ein Bild einer chinesischen Schlitzhose.

Klogespräche

Am Wochenende waren wir auf der Travemünder Woche. Als unsere Tochter (2 Jahre, 7 Monate) sagte, dass sie mal Pippi muss gingen wir zu den öffentlichen Toiletten. Dort hatte ich zwei unterschiedliche Erlebnisse:

1. Ich wurde in der Schlange der Anstehenden nett gefragt, ob ich mit dem Kind vor gehen möchte. Ich habe daraufhin meine Tochter gefragt, ob sie noch warten kann und als sie dies bejahte das Angebot dankend abgelehnt.

2. Als wir schließlich auf der Toilette waren hörte ich aus einer Nachbarkabine folgendes Gespräch: Kind: „ich muss auch mal Pippi“. Mutter: „Du hast eine Windel an, mach da rein“. Meine Gedanken: „???? Das Kind sagt, dass es muss, steht direkt neben einer Toilette und DARF in die Windel machen???“ Ich habe Mutter und Kind hinterher beim Hände waschen gesehen, das Mädchen war sicher schon mindestens 3 Jahre alt und die Windel wurde nicht gewechselt. Die zwei gingen danach zurück zu einer Gruppe, die auf sie wartete.

Ich finde es erstaunlich, wie unterschiedlich Leute auf Kinder in Bezug auf ihr Ausscheidungsbedürfnis eingehen. Einerseits werde ich bei Bedarf vorgelassen, damit das Kind sein Geschäft noch rechtzeitig erledigen kann. Andererseits wird einem Kind eben dies verweigert, obwohl es das klar und eindeutig kommuniziert hat. Vielleicht hatte die Frau aus der zweiten Situation einen schlechten Tag oder das Kind sagt das häufiger einfach so. Ich habe ja nur eine kurze Momentaufnahme mitbekommen und kenne die Frau und das Kind nicht. Aber wenn ein Kind von sich aus die Bereitschaft zeigt aufs Klo zu gehen und ihm dies nicht gewährt wird, so ist das meiner Meinung nach eine vergeudete Chance.

Eine enorme Kostenersparnis

In 8 Monaten haben wir für das Sauberkeitsbedürfnis unserer Tochter die folgenden Anschaffungen getätigt: 20 Bindewindeln (ca. 55 €), 5 Klettwindeln (ca. 45 €), 30 Einlagen (ca. 23 €) und 20 Mullwindeln (ca. 27 €). Papiertaschentücher, Waschlappen und „besondere“ Kleidung wie 2 Splitpants, 1 „Bärenhose“, 1 Paar Kiddylegs und Zubehör wie das Töpfchen oder ein Trainerhöschen lass ich mal außen vor. 2 Schwimmwindeln fürs Babyschwimmen schenkte uns eine Freundin. Zusammengerechnet kostete uns dies ca. 150 €.

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Resümee nach zwei Jahren Windelfrei

Vor über einem Jahr beschrieb ich in „Ein Jahr Eliminication – ein Rückblick“ wie unsere Erfahrungen bis dahin mit windelfrei waren. Um es nochmal ganz kurz zusammen zu fassen: es war ein auf und ab, mal besser, mal schlechter und wir hatten glücklicherweise keinen Streik. Das Abhalten war für uns ein ganz normaler Teil unseres Lebens mit Kleinkind geworden (so wie wickeln für andere Leute).

Im Laufe des zweiten Windelfrei-Jahres änderten sich sowohl die Ausscheidungshäufigkeit (wird netterweise weniger) als auch die Signale.

Neue Zeichen, die hinzukamen bzw. die bisherigen ersetzten:

  • in den Schritt fassen
  • Beine zusammen klemmen
  • auf der Stelle tippeln
  • Pipi oder Kaka sagen

Nachts wurde das Stillen und somit auch das Pieseln weniger. Teilweise musste sie nachts gar nicht mehr aufs Klo, auch wenn sie mehrfach trank. Manchmal zeigte sie nur durch Unruhe an, manchmal durch Hinsetzen und ab und zu auch durch Pipi sagen. Es gab aber auch einige wenige Nächte, in denen wir beide ihr Bedürfnis komplett verschliefen und leider am nächsten Morgen die Bettwäsche zu wechseln war.

Mit ca. 1,5 Jahren war sie bereits zu 80% trocken. Dann starteten wir mit der Eingewöhnung in die Krippe. Dass dies einen Einfluss auf das Ausscheidungsverhalten unserer Tocher haben könnte war uns bewußt. Allerdings waren wir schon enttäuscht, dass es uns gefühlt um 3 Schritte zurück warf. Anfangs probierten die Erzieher, sie mit Stoffwindeln zu wickeln und sie nach Standardsituationen abzuhalten und sie fragten die Kleine auch regelmäßig, ob sie mal müsse. Eine Zeitlang funktionierte es mäßig bis gut und auch sogar mal so gut, dass sie nur eine normale Unterhose anstelle einer Windel trug. Und dann auf einmal ging buchstäblich jedes Pipi wieder in die Hose. Auch daheim. Sie sagte oft erst Bescheid wenn schon alles nass war.

Das große Geschäft („Kacka“) zeigte sie zum Glück weiterhin zuverlässig an. Das war aber auch die gesamte Zeit seit Geburt bis ins zweite Lebensjahr hinein nie ein großes Thema. Nach 2 Jahren und 4 Monaten hatten wir genau 5 Unfälle in denen das große Geschäft in die Büx ging (feuchte Muttermilch-Pupse zählen nicht dazu).

Wir mussten uns wegen der Kita was einfallem lassen! Leider ist der Betreuungsschlüssel in Hamburger Kitas nicht besonders gut. In unserer Kita kommen im Krippenbereich 14 Kinder auf 2 Erzieher. Manchmal ist noch ein Praktikant dabei, manchmal sind ein paar Kinder krank und manchmal sind es während der Übergangsphase von der Krippe in den Elementarbereich sogar noch mehr Kinder pro Gruppe. Also einigten wir uns mit den Erzieherinnen darauf, dass sie unserem Mädchen dort eine normale Wegwerfwindel anziehen und ihr parallel dazu aber weiter die Toilette anbieten. Das klappte gut und nahm bei allen Beteiligten den Druck raus. Unsere Kleine nahm manchmal das Angebot an und manchmal waren die Erzieher dankbar über die Windel als BackUp! Nach einer zweiwöchigen „Wischen-Waschen-Lächeln-Phase“ sagte sie dann daheim auch wieder rechtzeitig Bescheid. Wenn ich unsere Kleine nun also aus der Kita abhole, wechsele ich von Windel auf Unterhose und die Windelfreiheit geht weiter.

Unsere Kleine ist mit 2 Jahren und 4 Monaten trocken. Dennoch haben wir immer eine Garnitur Ersatzklamotten mit dabei, wenn wir unterwegs sind. Aber wir können ihr vertrauen. Nur in besonderen Situationen, in denen sie stark abgelenkt ist oder das Umfeld noch nicht so kennt wie z.B. Spielplatz, Geburtstagsfeier oder bei Freunden zu Besuch, haben wir immer noch ein besonderes Auge auf ihre Gesten und fragen sie, ob sie mal Pipi muss – ansonsten macht sie die Ansage!