Erfahrungsbericht von Maike

Maike ist Kinderphysiotherapeutin und nahm während ihrer Schwangerschaft im Februar 2017 an meinem Windelfrei-Kurs teil. Als ca. 2 Monate später ihr Baby da war lief einiges anders als geplant oder gedacht. Lest selber, was Maike geschrieben hat:

Windelfrei – „Jede nicht-benutzte Windel ist eine gute Windel“

Als Kinderphysiotherapeutin habe ich schon alle möglichen „Trends“ rund um Babys, Kleinkinder und Kinder mitbekommen, einiges belächelt, anderes verflucht und zu einigen anderen Themen hatte ich 1000 Fragen an die Mütter. So auch an die Mutter der kleinen Laura, die mir vor mittlerweile 4 Jahren begegnet ist. Ich wunderte mich, dass das damals 11 Monate alte Baby ohne Windeln kam. Im Gespräch mit der Mutter hörte ich das erste Mal Worte wie „abhalten“, Backup und Stoffwindeln. Ich war fasziniert, aber dann verschwand das Thema lange von der Bildfläche… bis… ja, bis ich auf dem Attachment Parenting Kongress 2016 im Vortrag von Julia Dibbern und Nicola Schmidt saß, gerade frisch schwanger in der 12. Woche. „Artgerecht Projekt – Windelfrei. 10 Tricks, die jeder über windelfrei wissen sollte“ hörte ich mir also an und die Faszination war wieder da. Stichworte wie „Windelfrei ist Kommunikation“ und „Windelfrei ist der vergessene Bindungsaufbau“ vertieften meine Neugierde. Der Umweltaspekt lag ganz klar auf der Hand und so verfolgt mich heute noch der Satz

“Jede nicht-benutzte Windel ist eine goldene Windel“.

Tja, hochmotiviert und schwer beeindruckt von diesem Vortrag, eine sketchnote im Schlepptau (siehe Foto) beschloss ich, mich weiter mit dem Thema auseinander zu setzen und somit kam ich zur lieben Ingrid, bei der ich einen windelfrei- Kurs machte, mittlerweile hochschwanger. Ich war begeistert, es klang so logisch, so einfach, so bedürfnisorientiert, so umweltfreundlich, so kommunikativ, so wunderbar … und irgendwie schwer!

Sketchnote von Maike
Start oder Nicht-Start?

Als mein kleiner Sohn dann nach einer sehr schwierigen und langwierigen Geburt letztendlich per Kaiserschnitt zur Welt kam, ich die erste Woche nur mit mir und die folgenden 2 Wochen fast ausschließlich mit einem Kampf rund ums Stillen beschäftigt war, rückte windelfrei absolut in den Hintergrund. Ich musste erst mal den neuen Alltag mit dem Neugeborenen irgendwie schaffen. So vergingen Woche für Woche und ich hatte mittlerweile – meine Begeisterung war ungebrochen – bereits eine Freundin mit ihrer kleinen Tochter (zu dem Zeitpunkt 6 Monate alt) mit windelfrei „infiziert“. Die machten es mir bei den wöchentlichen Besuchen immer wieder vor, wie toll das sein kann. Und ich? Voll hinter der Theorie stehend, fand ich einfach nicht rein, ich konnte keinen Anfang finden. Ich hatte zwar schon Signale erkannt: mein Kleiner hat während des großen Geschäfts einen sehr leeren Blick hat und hält inne und während des kleinen Geschäfts hört er kurz auf zu strampeln, aber eben immer dabei- wie zum Teufel sollte ich das schaffen, ihn dann auszuziehen und abzuhalten? Es war mir ein Rätsel. Und – na klar, in meinen Unterlagen fand ich eine Lösung: Standardsituationen, aber ich fand ständig Ausreden.

Was nun?

Also besuchte ich das offene windelfrei-Treffen und hörte auch von anderen Müttern, dass der Anfang- mein Sohn war gerade 3 Monate alt- häufig erst viel später gemacht wurde. Ich hörte von Ingrid, dass es keine Zielvorgaben gibt, „einfach machen“ war die Devise. Also fuhr ich voller Tatendrang nach Hause und startete am nächsten Tag damit, vor jedem Windelwechsel ihn über das Waschbecken zu halten. Direkt einen Tag später schaffte ich es sogar das große Geschäft ab zu halten. Ich war mächtig stolz auf mein Können- und dann passierte erst mal nichts. Kein Tropfen, nichts. Das Kind strahlte mich im Spiegel über dem Waschbecken an, machte Faxen und wieder kamen Zweifel und der Muskelkater. Der kleine Mann mit seinen 8 kg war mir einfach zu schwer, in der Position ab zu warten… Wieder wollte ich nicht aufgeben und holte mir beim Schweden das Super-Töpfchen mit herausnehmbarer „Schale“, die ich demonstrativ auf den Wohnzimmertisch stellte. Es erinnerte mich, es lockte mich, dran zu bleiben und siehe da, wieder erfolgreich gewesen!

Wie läuft es jetzt?

Häufig „reißt“ es ein, passiert manchmal, dass ich den ganzen Tag nur ein mal abhalte und dann auch noch erfolglos. Dann bin ich unterwegs, dann ist Besuch da- irgendwas ist immer… Es geht nicht um den „Erfolg“, das ist mir klar. Es geht viel mehr darum, dass ich meinem kleinen Schatz ermöglichen möchte, sich frei zu erleichtern, ohne in die Wegwerfwindel zu machen. Das ist auch noch so ein Thema. Eigentlich möchte ich keine WWW- aber zu Stoffwindeln hab ich noch keinen richtigen Bezug gefunden. Mir ist das mit den ganzen verschiedenen Systemen zu kompliziert und dem Waschen, Fetten, was auch immer. Wer weiß, vielleicht bekomme ich da aber auch von irgendwoher nochmal einen neuen Input- ich bleibe offen dafür!

Und, ich bleibe dran, das Töpfchen als „Mahnmal“ und immer im Kopf „Jede nicht-benutzte Windel ist eine goldene Windel!“

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