Windelfrei Blog

Abhalten nachts…

… kann man, muss man aber nicht! Vor allem wenn man es entweder nicht (oder zu spät) merkt, dass das Baby mal muss oder wenn man lieber schläft. Schlaf geht vor, definitiv.

Wir hatten schon alles: rechtzeitig gemerkt und erfolgreich abgehalten, zu spät bemerkt und die noch warme, nasse Stoffwindel gewechselt und gar nicht bemerkt (weil viel zu müde und im Tiefschlaf) und die kalte, klatschnasse Windel gewechselt.

Anfangs benutzten wir Bindewindeln, auch nachts, so dass es ziemlich anstrengend war, mal kurz das Kind wieder trocken zu legen. Schnell „wach werden, aufstehen, ins Bad laufen, Kind aus Schlafsack, Hose und Windel befreien“ und dann noch abzuhalten hat damit nicht funktioniert. Unser Kind in der nassen Windel liegen zu lassen geht auch nicht – es wacht davon nämlich früher oder später auf.

Irgendwann stellten wir unser System um auf Klettstoffwindeln, Kiddylegs, unten zu öffnenden Schlafsack und Asia-Töpfchen am Bett – dies bescherte uns höhere Trefferquoten. Es gab sogar mal eine richtig gute Phase, in der ich mich traute die Windel nachts für ein paar Stunden weg zu lassen. In dieser Phase wurde meine Kleine vor dem pieschern nachts nicht nur unruhig, sondern brummte auch missmutig. Ich war schon kurz davor noch mutiger zu werden und sie nachts dauerhaft ohne Sicherheits-Windel schlafen zu lassen, als sie leider mit dem hilfreichen Sound-Hinweis wieder aufhörte. Momentan ist sie zwar oft unruhig, aber häufig möchte sie sich einfach nur anders hinlegen. Und wenn ich sie dann zum (erfolglosen) Abhalten hochnehme wacht sie manchmal auf und schläft danach nicht mehr von alleine ein. Zudem ist ihre aktuelle Lieblingsschlafposition auf dem Bauch liegend, da hebt sie nachts zum pieschern gerade mal ganz leicht den Popo in die Höhe und dann gehts auch schon los. Keine Chance sie da auszupacken und abzuhalten…

Abhalten tagsüber…

Beim Abhalten tagsüber kann man unterscheiden zwischen daheim und unterwegs. Auf unterwegs möchte ich gesondert eingehen, daher hier nur etwas zu windelfrei daheim.

Seit unsere Tochter ungefähr 4 Monate alt ist, ist die Pieselfrequenz vormittags höher als nachmittags, so dass die Kleine (je nachdem wie warm es ist) oft nur eine Mullwindel um bekommt oder unten ohne auf einem Handtuch oder der Isomatte spielen darf. Wenn es kalt ist, ziehe ich ihr dazu noch Socken oder kiddylegs an. Alternativ ziehe ich ihr eine Splitpant, eine Baumwollhose oder auch eine Stoffwindel mit Überhose an. Inzwischen liegt bei uns in allen Räumen, in denen ich mich häufiger aufhalte, eine geeignete Ablagefläche für das Baby (Handtuch, Isomatte, Baby-Decke). So ist die Kleine immer in meiner Nähe und ich kann sie leicht abhalten, wenn ich es mitbekomme und gerade Zeit dazu habe.

Signale unserer Tochter sind momentan ungeduldiges, lautes Zetern oder auch Spielzeug fallen lassen und ein starrer, verklärter Blick.

Zum Abhalten gehe ich mit ihr entweder ins Bad oder ich benutze eine ausgediente Rührschüssel oder ihr Asia-Töpfchen.

Und für den Fall dass ich „meinen Einsatz verpasse“ liegt was zum Aufwischen bereit bzw. wird eben ihre Hose/Windel gewechselt. Es gibt gute Tage, an denen wir nur eine Windel brauchen und schlechte Tage, an denen ich (gefühlt) circa 15 Windeln in die Wäsche werfe. Je nach Stimmung und Zustand von uns beiden 🙂

Die praktischste Erfindung der Welt

Ein Baby-Schlafsack aus Schurwoll-Frottee ist ein gutes Windelfrei-Accessoire für die Nacht. Da unsere Kleine Stoffwindeln ohne Überhose trägt ist der Schlafsack die wasserabweisende „Sicherung“, wenn sie nachts mal muss und wir es verschlafen (eine tolle Eigenschaft von Wolle).

Und wenn wir es mitbekommen, dass sie mal muss, so hat der Schlafsack am Fußende einen großen Reißverschluss, der ein schnelles Abhalten ermöglicht. Wir haben uns für ein ungefüttertes Modell entschieden, das ganzjährig verwendet werden kann. Er ist schön dünn und leicht, das ist super wenn man verreist.

Die cleverste Erfindung der Welt!

Auch wieder aus dem Bereich der Bekleidung ist die Erfindung der sogenannten kiddylegs. Eigentlich ganz simpel und leicht zu beschreiben: Ministulpen für Babys.

Kiddylegs

Helfen tagsüber das Baby warmzuhalten wenn man es untenrum frei auf dem Boden (auf einer Decke, Handtuch, Isomatte o.ä.) strampeln lässt. Und nachts sind sie eine tolle Ergänzung zur Stoffwindel: die Beine bleiben warm und man muss weniger ausziehen wenn man sein Kind abhält.

Die beste Erfindung der Welt!

Es gibt definitiv Dinge, die das windelfrei-Leben leichter machen. Gute Kleidung ist ein wichtiger Punkt. Und hier haben wir eindeutig einen Favoriten: die Latz-Splitpant „Wollaspa“ aus Wollwalkstoff.

Da wir die Hose in braun haben heißt sie bei uns nur „die Bärenhose“. Wollwalk ist von natur aus wasserabweisend und verzeiht daher auch kleine Pannen. In den mit Druckknöpfen versehenen, komplett abnehmbaren Vorlagenhalter legen wir immer eine Mullwindel ein, die notfalls schnell und leicht gewechselt werden kann. Was uns an dieser Hose aber besonders gut gefällt (außer, dass sie niedlich aussieht) ist, dass man sein Kind zum abhalten nicht erst ablegen muss um es auszuziehen, sondern die Hose öffnen und schließen kann wenn man das Baby auf dem Arm hält. Das hilft ungemein, wenn z.B. in einer Gaststätte nur kleine Toiletten sind und kein Wickeltisch vorhanden ist.

Kurswochenende in Hamburg

Dieses Wochenende war es soweit: der Grundkurs Windelfrei-Coach fand in Hamburg statt. Wir waren 11 Teilnehmer (darunter auch ein Arzt) und wir lernten an diesen zwei Tagen sehr viel über medizinische Hintergründe, Studien, Evolutionsbiologie, windelfrei historisch betrachtet und weltweit, verschiedene Abhaltesituationen und -positionen und noch einiges mehr.

Was man eben so braucht als Coach. Auch der Erfahrungsaustausch kam dabei nicht zu kurz. Es war ein tolles Wochenende mit netten Teilnehmern und guten Kursleitern, die Stimmung war super und die Informationen reichlich. Jetzt müssen nur noch die Fragen für die Zertifizierung richtig beantwortet werden und dann kann es eigentlich losgehen!

🙂

Ich habe mich zum Kurs angemeldet!

Meine Schwägerin hat mich auf etwas aufmerksam gemacht: Am ersten Märzwochenende wird in Hamburg ein Ausbildungskurs zum Windelfrei-Coach angeboten. Nun stellt sich die Frage: Soll ich oder soll ich nicht? Bringt mich diese Ausbildung weiter oder ist es „reines Privatvergnügen“?

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Nach reichlichem Überlegen und Rücksprache mit meiner Schwägerin kommen wir zu dem Schluss, dass es nicht schaden kann und wir beide es einfach mal probieren. Also gut, Anmeldung ausfüllen und wegschicken, Kursgebühr überweisen und ein paar Tage später ist die Bestätigung da: ich bin zum Grundkurs Windelfrei-Coach angemeldet. Jetzt gibt es kein Zurück mehr!

Unsere Hebamme ist begeistert…

Bisher kannte unsere Hebamme „abhalten“ nur vom Hörensagen. Eine andere Hebamme hatte ihr mal erzählt, wie sie dies in einem Entwicklungsland (ich glaube irgendwo in Afrika) beobachtet hatte. Sie hatte sich gewundert, warum die Frauen nicht beschmutzt waren, obwohl sie stundenlang mit ihren nackten Babys in der Warteschlange standen, bis sie beim Arzt dran waren.

Irgendwann entdeckte sie, dass die Frauen von Zeit zu Zeit mit ihrem Baby aus der Reihe heraustraten, abseits gingen und es von sich abhielten, damit es sich erleichtern kann. Dann wurde kurz der Popo mit einem Blatt sauber gemacht und die Frau reihte sich wieder in die Schlange ein. So simpel wie effektiv!

Da dies in einem warmen Land bei einem sogenannten Naturvolk geschah, ging auch unsere Hebamme erstmal davon aus, dass dies in Hamburg nicht möglich wäre. Bis sie sah, wie ich unsere Tochter über der Badewanne abhielt, anstatt sie einfach nur zu wickeln. Während der Wochenbettbetreuung hatte sie mehrfach die Gelegenheit unsere kleinen Erfolge diesbezüglich mitzuerleben und sie war und ist begeistert! 🙂